
Veränderung in der Paarbeziehung: Warum guter Wille nicht reicht – und was wirklich hilft | Paarberatung Ludwigsburg
10. März 2026Was ich von dir erwarte - und was das über mich verrät
Erwartungen in der Paarbeziehung
"Ich wünsche mir, dass du mich mehr unterstützt."
"Ich brauche mehr Anerkennung von dir."
"Warum siehst du nicht, wie viel ich gebe?"
Erwartungen in der Paarbeziehung können sich manchmal anhören wie eine endlose Liste, die der andere nie ganz erfüllen kann. Und je länger die Liste, desto größer die Erschöpfung auf beiden Seiten.
Aber was steckt wirklich hinter unseren Erwartungen an den Partner? Und warum erfüllen sich manche davon selbst dann nicht, wenn der Partner sich redlich bemüht?
Fritz Perls - Begründer der Gestalttherapie - hat in seiner therapeutischen Arbeit etwas Erstaunliches beobachtet: Vieles, das wir vom anderen erwarten, ist etwas, das wir uns noch nicht gelernt haben, uns selbst zu geben. Und die Qualitäten, die wir am Partner am meisten bewundern - oder am stärksten bekämpfen - sind oft Teile von uns, die wir noch nicht als unsere eigenen erkannt haben.
Das klingt zunächst abstrakt. Dieser Artikel macht es konkret - anhand echter Beispiele aus der therapeutischen Arbeit von Perls und aus unserer Paarberatung in Ludwigsburg.
Die Geschichte vom Sänger, der auf Erlaubnis wartete
Fritz Perls arbeitete einmal mit einem Mann - nennen wir ihn Markus -, der wunderschöne Lieder schrieb. Lieder, von denen er selbst tief berührt war. Lieder, die er liebte.
Aber Markus sang sie nicht selbst. Er wartete. Er wartete darauf, dass jemand anderes sie aufnahm, dass jemand anderes sie sang, dass jemand anderes die Welt wissen ließ, dass diese Lieder existieren.
Seit einem Jahr wartete er auf einen befreundeten Musiker, der versprochen hatte, einen seiner Songs aufzunehmen. Der Freund hatte sich nie gemeldet. Markus wartete weiter.
"Weißt du, wie man ein Aufnahmegerät bedient? Du kannst selbst eine Aufnahme machen. Oder kannst du dieser Song sein?" - Fritz Perls zu Markus
Perls bat Markus, der Song zu werden. Und dann fragte er: "Ich bin eine rote Rose und ich wachse neben einer weißen Rose. Ich möchte gehegt werden. Ich brauche das. Und ich möchte, wie alles andere auch, dass man für mich sorgt."
Als Perls Markus bat, für die Rose zu sorgen - für sich selbst zu sorgen -, wurde Markus plötzlich sehr zart. Sehr liebevoll. Er kümmerte sich um die Rose mit einer Zärtlichkeit, die er sich selbst gegenüber nie gezeigt hatte.
Perls schloss: Was bei Markus noch fehlt vom erwachsenen Menschen - das steckt nicht im Freund, der nicht anruft. Es steckt in Markus selbst. Er hat es nur noch nicht als seines erkannt.
Kennen Sie das? Ein Wunsch, den Sie schon lange haben - und immer auf jemand anderen warten, ihn zu erfüllen?
- Auf den Partner, der endlich Ihre Bemühungen würdigt.
- Auf die Anerkennung, die noch aussteht.
- Auf die Erlaubnis, etwas zu wollen, was Sie sich noch nicht ganz erlauben.
Was wäre, wenn Sie sich das, worauf Sie warten, auch ein Stück weit selbst geben können?
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Wir sind alle viele Teile - auch innerhalb unserer Beziehung
Fritz Perls sagte einmal: "Ich glaube, dass wir alle zerstückelt sind. Wir sind geteilt. Wir sind in viele Teile aufgespalten."
Das ist keine pessimistische Aussage. Es ist eine sehr ehrliche Beschreibung davon, was es bedeutet, Mensch zu sein. Wir haben viele Seiten: die mutige und die ängstliche. Die fürsorgliche und die zurückhaltende. Die, die Nähe sucht - und die, die Distanz braucht. Die Seite, die laut sagen möchte, was sie denkt - und die, die schweigt.
In einer Paarbeziehung passiert nun etwas Faszinierendes: Teile von uns, die wir wenig kennen oder wenig leben, suchen sich oft ihren Weg über den Partner. Wir verlieben uns in jemanden, der etwas verkörpert, das wir selbst noch nicht leben. Und wir stoßen uns an jemandem, der etwas zeigt, das wir in uns selbst nicht sehen möchten.
Ein Beispiel aus der Paarberatung: Eine Frau bewundert ihren Partner zutiefst für seine Leichtigkeit. Er nimmt das Leben nicht so ernst. Er kann lachen, wenn sie schon längst am Grübeln ist. Sie findet das herrlich - und manchmal auch unerträglich.
Was steckt dahinter? Die Leichtigkeit, die sie so an ihm liebt, ist auch in ihr. Sie hat sie nur lange nicht zugelassen. Die eigene Schwere hat ihr so viel Platz eingenommen, dass für Leichtigkeit kein Raum war.
Im Laufe ihrer Paarberatung hat sie gelernt: Ich muss sie ihm nicht wegnehmen. Ich kann sie mir selbst erlauben.
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Das unfertige Haus - was uns in unserer Beziehung noch fehlt
Eine andere Frau - nennen wir sie Nora - träumt immer wieder von einem unfertigen Haus. Eine Treppe ohne Geländer. Kein Wärmegefühl. Kahle Wände. Sie lebt in diesem Haus - und egal, was sie tut, sie kann die Treppe nicht hinaufsteigen, ohne Angst zu fallen.
In der therapeutischen Arbeit wird Nora eingeladen, das Haus zu werden. Nicht darüber zu reden - sondern es zu sein.
Etwas Bemerkenswertes passiert: Als Nora zum Haus wird, entdeckt sie, was ihr im Traum entgangen ist. Das Haus hat solide Fundamente. Es steht fest. Es ist unfertig - aber es ist nicht schwach.
Was fehlt? Wärme. Farbe. Vorhänge. Ein paar persönliche Dinge, die es zu einem Zuhause machen.
"Je mehr du verleugnest, desto mehr verarmst du. Wenn du erkennst: Das bin ich - dieser Teil des Traums gehört zu mir - dann fängst du an, dich wiederzufinden." - Fritz Perls
Und dann die entscheidende Wendung: Als Nora erkennt, dass das Haus sie selbst ist - nicht ein Haus, das sie beurteilt, sondern sie selbst - kann sie zum ersten Mal zugeben: Ich habe solide Fundamente. Und ich brauche mehr Wärme. Mehr Farbe. Mehr von mir selbst.
Auf Paarbeziehungen übertragen ist das eine der wichtigsten Fragen überhaupt: Wenn Ihre Beziehung ein Haus wäre - was wäre schon solide? Was steht? Was trägt? Und was bräuchte mehr Wärme, mehr Farbe, mehr Leben?
Paare, die zu uns in die Beratung kommen, fragen wir manchmal genau das. Nicht um den Mangel zu betonen - sondern um beides zu sehen: Das Fundament, das oft längst da ist. Und das, was noch hinzukommen darf.
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Wenn Fürsorglichkeit zur Kontrolle wird - und warum das den anderen nicht erreicht
Fritz Perls begleitete in seiner Arbeit auch eine Frau - nennen wir sie May -, die für andere da war. Immer. Sie kümmerte sich, sorgte vor, hielt die Fäden zusammen. Um ihren Partner. Um ihr Kind. Um alle.
Aber je mehr sie gab, desto mehr zogen sich die anderen zurück. Perls nannte das Muster liebevoll die "Glucken-Mutter": immer um die anderen herumkreisen, besorgt, fürsorglich - und dabei unbewusst den Raum einnehmend, den der andere bräuchte, um selbst zu wachsen.
Was Perls herausarbeitete: May gab nicht nur aus Liebe. Sie gab auch, weil sie Angst hatte, gebraucht zu werden und gleichzeitig Angst hatte, wirklich nahe zu sein. Die Fürsorglichkeit war ein Schutz - sie hielt sie beschäftigt, damit sie nicht fühlen musste, was sie sich wirklich wünschte: echte, verletzliche Nähe.
Ein Muster, das wir in der Paarberatung oft sehen: Ein Partner gibt viel - zu viel. Er oder sie fragt selten, was er wirklich braucht. Und wundert sich, warum sich trotz allem Geben eine Leere breitmacht.
Die Frage, die in solchen Momenten hilft: "Was würde passieren, wenn du einmal nichts gibst - und stattdessen sagst, was du selbst brauchst?"
Oft steckt hinter viel Geben ein tiefer Hunger, selbst empfangen zu dürfen. Dieser Hunger darf einen Namen bekommen.
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Erwachsen werden innerhalb einer Beziehung
Fritz Perls fasste am Ende einer seiner Arbeitssitzungen zusammen, was er als den Kern gesunden Wachstums verstand:
"Wachstum und Reifung bedeuten, dass die Unterstützung durch die Umwelt immer weniger erforderlich wird und die Selbständigkeit wächst. Das Kind braucht die Umwelt, damit sie sich um es kümmert. Im Verlauf des Wachsens lernst du mehr und mehr, auf deinen eigenen Beinen zu stehen."
Das klingt, als wäre es eine Aussage über Kinder. Aber Perls meinte es für Erwachsene genauso - und besonders für Menschen in Beziehungen.
Denn viele von uns kommen in eine Paarbeziehung mit dem - oft unbewussten - Wunsch, nun endlich das zu bekommen, was vielleicht in der Kindheit zu kurz kam. Anerkennung. Sicherheit. Gesehen werden. Die Gewissheit, wertvoll zu sein.
Das ist menschlich. Es ist normal. Und es ist auch eine große Last für den Partner, der diese Lücke niemals vollständig füllen kann - egal, wie sehr er es versucht.
Was Paare in unserer Beratung oft als Erleichterung erleben: der Moment, in dem sie verstehen, dass der Partner nicht dafür verantwortlich ist, alte Wunden zu heilen. Er kann dabei sein. Er kann unterstützen. Aber die Heilung geschieht in uns selbst - und manchmal mit professioneller Begleitung.
Das bedeutet nicht, dass Sie von Ihrem Partner keine Unterstützung erwarten dürfen. Es bedeutet, dass die Beziehung leichter wird, wenn Sie anfangen, sich auch ein Stück weit selbst zu tragen. Wenn die Erwartungsliste kürzer wird - nicht weil Sie weniger wollen, sondern weil Sie mehr von sich selbst mitbringen.
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Was mich an dir am meisten stört - und was das mit mir zu tun hat
Es gibt eine einfache Übung, die in der therapeutischen Arbeit immer wieder erstaunliches aufdeckt: Schreiben Sie auf, was Sie an Ihrem Partner am meisten bewundern. Und dann: Was nervt Sie am meisten?
Beide Listen enthalten Hinweise auf Sie selbst.
Was Sie am anderen bewundern, ist oft ein Teil von Ihnen, den Sie sich noch nicht erlauben. Was Sie am anderen bekämpfen, ist oft ein Teil von Ihnen, den Sie noch nicht annehmen möchten.
Ein Paar in unserer Beratung: Er bewundert an ihr, dass sie so direkt sagt, was sie denkt. Er selbst schluckt viel hinunter. Sie bekämpft an ihm, dass er so harmoniebedürftig ist. Sie selbst hat Angst vor Konflikten - nur zeigt sie das anders.
Als beide das sahen - nicht als Kritik, sondern als Einladung - veränderte sich die Dynamik. Er übte, direkter zu sein. Sie übte, mehr Stille auszuhalten. Sie kamen sich näher - nicht weil der andere sich veränderte, sondern weil jeder von beiden anfing, einen Teil von sich selbst zurückzugewinnen.
Perls nannte diesen Prozess Re-Integration: das Wiederfinden von Teilen, die wir von uns abgespalten und auf andere projiziert haben. Jeder Schritt in diese Richtung macht uns vollständiger - und damit auch die Beziehung lebendiger.
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Wie wir als Paarberaterpaar in Ludwigsburg begleiten
In unserer Paarberatung und Paarmediation in Ludwigsburg begleiten Menexia und Thomas Kladoura Paare, die genau an diesen Fragen arbeiten möchten:
Was erwarte ich wirklich - und woher kommt das? Welche Teile von mir suche ich im anderen? Und wie können wir als Paar wachsen, ohne dass einer den anderen dabei verliert?
Wir arbeiten nicht mit Ratschlägen, die von außen aufgesetzt werden. Wir arbeiten mit dem, was zwischen Ihnen bereits lebendig ist - mit dem, was schon gezeigt wird, bevor Worte es beschreiben. Mit dem, was Sie am anderen lieben. Und mit dem, was schwer ist.
Unsere Erfahrung: Wenn Paare anfangen zu verstehen, was sie wirklich voneinander wollen - und warum - verringert sich der Druck. Die Erwartungen werden menschlicher. Die Gespräche ehrlicher. Und die Verbindung tiefer.
Menexia & Thomas Kladoura
Rosenstrasse 5b, 71640 Ludwigsburg
Telefon: 07141 / 2797605
5 Fragen, die Sie heute Abend gemeinsam stellen können
- Was bewundere ich am anderen am meisten? Und: Habe ich diesen Teil auch in mir - auch wenn ich ihn selten zeige?
- Was stört mich am anderen am stärksten? Und: Gibt es diesen Teil irgendwie auch in mir - in einer anderen Form?
- Worauf warte ich, dass der andere mir gibt? Und: Gibt es einen kleinen Schritt, mit dem ich mir das auch selbst geben könnte?
- Was gibt mir mein Partner, das ich mir selbst noch schwer geben kann - und warum?
- Wenn unsere Beziehung ein Haus wäre: Was steht schon stabil? Und was braucht mehr Wärme, mehr Licht, mehr Leben?
Diese Fragen sind kein Test. Sie sind eine Einladung zum echten Gespräch - ohne Ergebnis erzwingen zu wollen.
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Paarberatung Ludwigsburg - Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Ein erstes Gespräch - unverbindlich und vertraulich
Wenn Sie merken, dass bestimmte Erwartungen immer wieder zu Enttäuschungen führen - oder dass Sie sich in einem der Muster in diesem Artikel wiedererkannt haben - lohnt es sich, näher hinzuschauen. Nicht allein, sondern mit Begleitung.
Wir sind für Sie da.
Über die Autoren
Menexia und Thomas Kladoura sind ausgebildete Paarberatende und Paarmediatoren in Ludwigsburg. Unter dem Dach von Paarbeziehung im Fokus begleiten sie Paare in Krisen, Übergangsphasen und im Wunsch, ihre Beziehung tiefer zu verstehen und neu zu gestalten. Methodisch arbeiten sie mit integrativer Paartherapie nach dem Paarsynthese-Modell von Michael Cöllen.
Unsere Begleitung:
- Paarberatung im 2:2 – als erfahrenes Paarberater-Paar begleiten wir Sie gemeinsam.
- Paarberatung im 1:2 - einer von uns begleitet Sie als Paar.
- Paar-Mediation im 1:2 – wenn Konflikte festgefahren sind, helfen wir, neue Wege zu finden.
- Individuelle Sitzungen im 1:1 – wenn eine*r von Ihnen erst einmal alleine starten möchte (in Ausnahmefällen) oder phasenweise eigenen Themen bearbeiten möchte.
Unsere Konditionen finden Sie hier.
Unsere 30 Jahre gelebte Beziehungserfahrung und unsere fundierten Ausbildungen (u. a. Paarsynthese, systemische und achtsamkeitsbasierte Beratung, Mediation, Gestalttherapie) ermöglichen es uns, Sie auf diesem Weg professionell und mit Empathie zu begleiten.
Machen Sie den ersten Schritt – wir sind in Ludwigsburg / Raum Stuttgart für Sie da!
Herzliche Grüße






