
Streitmuster in der Paarbeziehung: Warum wir immer wieder über dasselbe streiten | Paarberatung Ludwigsburg
10. März 2026
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11. März 2026Warum guter Wille allein Paarbeziehungen nicht verändert - und was echten Wandel auslöst
"Wir haben es schon so oft versucht." Das hören wir häufig in der Paarberatung. Ein Paar, das wirklich will. Das geredet hat, Bücher gelesen hat, Vorsätze gefasst hat. Und das trotzdem immer wieder am gleichen Punkt landet.
Guter Wille ist wichtig. Aber er reicht nicht. Und manchmal steht er echtem Wandel sogar im Weg.
Fritz Perls beobachtete in seiner therapeutischen Arbeit etwas, das sich wie ein roter Faden durch seine gesamte Arbeit zieht: Wer sich zu stark bemüht, sich zu verändern, blockiert genau das, was sich verändern will. Echter Wandel entsteht nicht durch Druck - er entsteht durch Aufmerksamkeit.
Was das für Ihre Paarbeziehung bedeutet, zeigen wir Ihnen in diesem Artikel.
"Ich habe mich eben entspannt" - oder hat es sich von selbst ereignet?
Fritz Perls arbeitete einmal mit einem Mann - nennen wir ihn Max - der sich während der Sitzung immer weiter verkrampfte. Fritz bat ihn, diesen Zustand nicht zu bekämpfen, sondern ihn einfach wahrzunehmen. Nicht zu lösen. Nur zu fühlen.
Irgendwann sagte Max: "Ich habe mich eben entspannt."
Fritz fragte: "Hast du das herbeigeführt - oder hat es sich von selbst ereignet?"
Max stutzte: "Es kam von selbst."
"Jede absichtliche Änderung ist zum Scheitern verurteilt. Ein Wandel muss von selbst entstehen - durch die natürliche Selbstregulierung des Organismus." - Fritz Perls
Das klingt paradox. Aber in der Paarberatung begegnet uns dieses Phänomen ständig: Das Paar, das beschlossen hat, "ab jetzt anders zu sein", hält es drei Wochen durch - und fällt dann erschöpft in alte Muster zurück. Nicht weil es zu wenig wollte. Sondern weil Veränderung durch Willenskraft allein nicht trägt.
Was trägt, ist Verstehen. Hinschauen. Fühlen, was wirklich ist - ohne es sofort reparieren zu wollen. Wenn ein Paar wirklich begreift, warum ein Muster da ist und was es benötigt, verändert es sich oft ganz von selbst. Nicht als Leistung, sondern als natürliche Folge eines neuen Verstehens.
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Was der Körper zeigt, bevor ein Wort gesprochen ist
Fritz Perls war bekannt dafür, dass er einem Menschen mehr ansah, als dieser mit Worten sagen konnte. Wenn jemand neu in den Raum kam, beobachtete er erst die Haltung, die Hände, die Art, wie jemand saß.
Einem Mann - nennen wir ihn Jim - sagte er gleich zu Beginn: "Ich sehe schon eine ganze Menge, obwohl du noch gar nichts gesagt hast." Jim saß da, die Beine verschränkt, die Hände vor dem Körper, der Oberkörper leicht zurückgezogen.
Perls erklärte: Der untere Körper zeigt, wie jemand auf den eigenen Beinen steht - ob er sich trägt, ob er Halt hat. Der obere Körper, die Arme, die Hände, zeigen, wie jemand nach der Welt greift - ob er in Kontakt geht oder sich zurückhält.
Das ist keine Theorie. Das ist etwas, das Sie auch im Alltag beobachten können:
- Ein Partner, der im Gespräch immer weiter zurückweicht, setzt eine körperliche Grenze, bevor er sie in Worte fasst.
- Verschränkte Arme beim nächsten Streit sind oft keine Aggression - sondern Schutz.
- Jemandem, der mit leerer Stimme "Es ist alles in Ordnung" sagt, glaubt man es nicht - weil Stimme und Körper etwas anderes zeigen.
In unserer Paarberatung achten wir deshalb nicht nur auf das, was gesagt wird - sondern auch darauf, wie jemand sitzt, atmet, sich bewegt. Der Körper lügt selten. Er zeigt, was noch keinen sprachlichen Ausdruck gefunden hat.
Wenn ein Partner in einer Sitzung anfängt, sich zu entspannen, sich aufzurichten, die Hände zu öffnen - dann ist das oft das erste Zeichen, dass etwas in Bewegung geraten ist. Noch bevor jemand sagt: "Ich glaube, ich verstehe es jetzt."
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Offenes oder geschlossenes System - wie zugänglich sind Sie wirklich?
Als Jim so dasaß, verschlossen und zurückgezogen, beschrieb Perls ihn als "geschlossenes System". Nicht als Vorwurf - sondern als Beschreibung. Ein geschlossenes System lässt wenig herein. Und wenig heraus.
Das Interessante: Als Perls das laut aussprach, öffnete Jim sich fast sofort. Seine vorher überkreuzten Beine stellte er parallel auf, ließ die Hände fallen, richtete sich auf. Nur durch das Bemerkt-Werden veränderte sich etwas.
In Paarbeziehungen gibt es diese Momente der Geschlossenheit häufig. Einer zieht sich zurück, wird einsilbig, hört innerlich auf. Der andere bemerkt es, deutet es als Ablehnung, zieht sich ebenfalls zurück - oder geht umgekehrt in die Offensive. Das System schließt sich weiter.
Die Frage, die wir Paaren in solchen Momenten stellen: "Was brauchst du gerade, um dich wieder öffnen zu können?" Manchmal ist es Stille. Manchmal ist es, bemerkt zu werden. Manchmal ist es das schlichte Bekenntnis: "Ich bin gerade drin in meiner eigenen Welt. Gib mir kurz Zeit."
Ein offenes System bedeutet nicht, dass man immer erreichbar sein muss. Es bedeutet, dass man signalisieren kann, was gerade los ist - und wann man wieder da ist.
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Wenn Spontanität blockiert ist - das Kalkül, das Lebendigkeit tötet
Perls beobachtete bei einem anderen Mann - Mark, einem Musiker - eine Angewohnheit, die er selbst kaum bemerkte: Bevor Mark irgendetwas sagte oder tat, probte er es im Kopf. Er wartete und dachte nach: "Was wäre jetzt das Richtige? Was würde gut ankommen? Was sollte ich fühlen?"
"Du hinderst dich selbst daran, spontan zu sein - indem du vorher ausprobierst, was wohl das Richtige sein wird." - Fritz Perls
Das Ergebnis: Mark wirkte kontrolliert, kaum erreichbar, irgendwie distanziert. Nicht weil er kalt war - sondern weil er sich ununterbrochen beobachtete und korrigierte, bevor er sich zeigte.
In Paarbeziehungen ist dieses Muster verbreitet und schmerzhaft:
- Man sagt nicht, was man wirklich denkt - sondern was verträglich klingt.
- Man zeigt nicht, was man fühlt - sondern was akzeptabel erscheint.
- Man wartet, ob der Partner reagiert - anstatt selbst den ersten Schritt zu machen.
Das Resultat ist eine Beziehung, in der sich beide sicher und gepanzert bewegen - und gleichzeitig insgeheim nach echter Verbindung hungern.
Echte Nähe entsteht nicht durch berechnete Selbstdarstellung. Sie entsteht im unvorbereiteten Moment. In dem, was einem rausrutscht. In dem, was man zeigt, obwohl man es lieber verborgen hätte - und dann merkt: Es war gut, dass der andere es sieht.
In unserer Paarberatung arbeiten wir oft daran, diesen kontrollierten Vorhang ein Stück weit beiseite zu schieben. Nicht, um Paare zu überwältigen - sondern um echten Kontakt wieder möglich zu machen.
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"Wir haben ein Problem" - oder: Wie Sprache Paare leblos macht
Fritz Perls machte auf etwas aufmerksam, das sich beim ersten Hören klein anhört - und bei näherer Betrachtung erstaunlich viel verändert: den Unterschied zwischen Hauptwörtern und Verben.
"Ich habe eine Verspannung" - und - "Ich verspanne mich."
Im ersten Satz ist die Spannung ein Ding. Etwas, das da ist, unabhängig von mir. Ich bin Opfer. Ich kann nichts dafür. Ich brauche Hilfe von außen.
Im zweiten Satz tue ich etwas. Ich bin aktiv beteiligt. Ich habe Einfluss. Und damit auch: Ich kann etwas ändern.
"Das Leben ist Geschehen. Der Tod ist ein Ding." - Fritz Perls
Auf Paarbeziehungen übertragen klingt das so:
- "Wir haben ein Kommunikationsproblem" wird zu "Wir reden aneinander vorbei - und ich merke, dass ich oft gar nicht zuhöre."
- "Zwischen uns herrscht Distanz" wird zu "Ich ziehe mich zurück, wenn ich mich unverstanden fühle."
- "Wir haben keine Zeit füreinander" wird zu "Ich priorisiere andere Dinge und merke, dass mir das passiert."
Diese Umformulierungen sind keine Selbstanklagen. Sie sind Einladungen zur Handlungsfähigkeit. Solange das Problem "da draußen" ist - als Ding, als Zustand, als Schicksal - kann niemand etwas ändern. Sobald es ein Geschehen wird, an dem ich beteiligt bin, gibt es eine Tür.
Ein praktischer Impuls: Achten Sie in Ihren Gesprächen dieser Woche darauf, wie oft Sie "wir haben" oder "zwischen uns ist" sagen - und was es verändern würde, wenn Sie stattdessen mit "ich..." anfangen.
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Der Verdruss-Sammler - wenn kleine Kränkungen zur unsichtbaren Last werden
Manche Paare streiten laut. Andere nicht. Letztere wirken von außen manchmal harmonischer - aber in der Beratung stellt sich häufig heraus:
Unter der Oberfläche haben sich über Jahre hinweg kleine Kränkungen, Enttäuschungen und Geringschätzungen angesammelt, die nie ausgesprochen wurden.
Perls beschrieb diese Menschen als "Verdruss-Sammler". Sie schlucken Ärger, anstatt ihn zu zeigen. Sie akzeptieren, was ihnen nicht gut tut. Und sie sammeln weiter. Die unsichtbare Last wird schwerer.
Das Tückische: Nach außen passiert nichts. Bis es platzt. Oder bis einer der Partner eines Tages merkt, dass er innerlich längst aufgehört hat, wirklich da zu sein.
Perls beobachtete: Je mehr ein Mensch Verdruss ansammelt und nicht herauslässt, desto weniger Lebendigkeit hat er für das, was wirklich zählt. Die Energie, die er für das Schlucken braucht, fehlt ihm für echte Begegnung, für Freude, für Verbindung.
Ein Paar, das wir in der Beratung begleitet haben, beschrieb es so: "Wir hatten keine großen Streitigkeiten. Aber irgendwann hat einer von uns gemerkt: Wir lachen kaum noch. Wir reden über den Alltag, aber nicht über uns."
Verdruss muss nicht groß und laut sein, um zu wirken. Er wirkt auch still - als Rückzug, als Gleichgültigkeit, als das allmähliche Verblassen von Nähe.
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Ich will gehört werden - aber höre ich selbst zu?
Perls beschrieb ein Muster, das er in vielen therapeutischen Gesprächen beobachtete und das sich fast immer auf Paarbeziehungen übertragen lässt: Wir projizieren das, was wir am meisten vermissen.
Wer sich nicht gehört fühlt, hört oft selbst nicht wirklich zu - sondern wartet nur darauf, selbst reden zu können.
Wer sich nicht gesehen fühlt, schaut oft selbst kaum hin - sondern ist zu sehr damit beschäftigt, gesehen werden zu wollen.
Wer Aufregung und Begeisterung vom Partner erwartet, bringt selbst wenig davon mit.
Das klingt hart. Es ist keine Anklage. Es ist eine Beobachtung, die befreit - denn sie zeigt: Der Schlüssel liegt nicht nur beim anderen.
Eine konkrete Frage, die Sie sich heute Abend stellen können: "Wie gut höre ich meinem Partner wirklich zu - nicht um zu antworten, sondern um zu verstehen?" Und wenn Sie ehrlich sind: Was könnten Sie selbst mitbringen, das Sie sich vom anderen wünschen?
In unserer Paarberatung erleben wir immer wieder, wie sich die Dynamik in einem Gespräch verändert, wenn ein Partner anfängt, wirklich zuzuhören - ohne Gegenargument, ohne Relativierung, ohne sofortige Lösungsidee. Nur hören. Das allein verändert, was der andere sagt. Und wie er sich dabei fühlt.
Zum Thema Verbindung: Paarberatung Ludwigsburg - Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Wie wir als Paarberaterpaar in Ludwigsburg arbeiten
Menexia und Thomas Kladoura begleiten Paare in der Paarberatung und Paarmediation in Ludwigsburg. Was uns in der Arbeit leitet, ist ein Grundgedanke, der sich auch durch die Arbeit von Fritz Perls zieht: Paare brauchen keine Lösungen von außen. Sie brauchen einen Raum, in dem sie wieder hören können, was in ihnen und zwischen ihnen wirklich vorgeht.
In unseren Sitzungen arbeiten wir deshalb nicht mit Ratschlägen, sondern mit Aufmerksamkeit. Wir schauen genau hin - auf das, was gesagt wird, und auf das, was nicht gesagt, aber gezeigt wird. Auf das, was ein Paar sucht, und auf das, was es vielleicht vermeidet.
Veränderung kann nicht erzwungen werden. Aber sie kann sich entfalten - wenn der Boden dafür bereitet ist.
Rosenstrasse 5b, 71640 Ludwigsburg
Telefon: 07141 / 2797605
5 Impulse für den Alltag
- Beobachten Sie Ihren Körper im nächsten Gespräch. Sind Ihre Arme offen oder verschränkt? Lehnen Sie sich vor oder zurück? Ihr Körper zeigt Ihnen, wie es Ihnen wirklich geht - bevor Worte es können.
- Ersetzen Sie ein Hauptwort durch ein Verb. Statt "Wir haben ein Problem" sagen Sie: "Ich merke, dass ich mich gerade zurückziehe" oder "Ich weiss nicht, wie ich das ansprechen soll." Wer "ich" sagt, kann handeln.
- Lassen Sie sich ertappen. Das nächste Mal, wenn Ihnen etwas rausrutscht - ein ehrlicher Satz, ein ungefilterter Moment - bleiben Sie darin. Spontanität ist keine Schwäche. Sie ist Nähe.
- Fragen Sie sich einmal: Was schlucke ich regelmäßig? Was habe ich in den letzten Monaten nicht gesagt, weil es sich nicht gelohnt hätte oder zu klein gewesen wäre? Kleine Kränkungen verschwinden nicht. Sie sammeln sich.
- Hören Sie einen Abend lang zu, ohne zu antworten. Keine Einwände, keine Gegenbeispiele, keine Lösungen. Nur zuzuhören. Was verändert sich - beim anderen? Und in Ihnen?
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Bereit für ein erstes Gespräch?
Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedererkannt haben - sei es im erzwungenen Verändern-Wollen, im Verdruss-Sammeln, in der Kontrolle oder im Wunsch nach echter Verbindung - sind Sie herzlich eingeladen. Ein erstes Gespräch ist unverbindlich und vertraulich.
Über die Autoren
Menexia und Thomas Kladoura sind ausgebildete Paarberatende und Paarmediatoren in Ludwigsburg. Unter dem Dach von Paarbeziehung im Fokus begleiten sie Paare in Krisen, Übergangsphasen und bei dem Wunsch, ihre Beziehung neu zu gestalten. Ihr Ansatz basiert auf integrativer Paartherapie nach dem Paarsynthese-Modell von Michael Cöllen.
Dieser Artikel basiert auf Erkenntnissen aus der Entwicklungspsychologie (Mahler), der Familientherapie (Bowen), der Gestalttherapie (Perls, Polster), dem Neuroaffective Relational Model (Heller) sowie der integrativen Paarsynthese (Cöllen).
In unserer Paarberatung in Ludwigsburg begleiten wir Paare Schritt für Schritt:
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Herzliche Grüße aus Ludwigsburg von
Thomas und Menexia Kladoura






