
Topdog, Underdog & Verantwortung: Warum Paare sich im Kreis drehen
10. März 2026
Veränderung in der Paarbeziehung: Warum guter Wille nicht reicht – und was wirklich hilft | Paarberatung Ludwigsburg
10. März 2026Streitmuster Paarbeziehung: Immer wieder der gleiche Streit?
Warum Streitmuster in der Paarbeziehung entstehen - und wie Sie ausbrechen
Montag der Abwasch. Mittwoch die Schwiegereltern. Samstag die Finanzen. Und irgendwie dreht sich das Gespräch immer wieder im Kreis, landet immer wieder am gleichen Punkt, mit den gleichen Vorwürfen, den gleichen Verletzungen - und dem gleichen erschöpften Schweigen danach.
Wenn Paare zu uns in die Beratung kommen, ist das oft der erste Satz: "Wir streiten immer wieder über dasselbe." Und fast immer steckt dahinter mehr als das offensichtliche Thema. Nicht der Abwasch ist das Problem. Nicht die Schwiegereltern. Sondern etwas, das noch nicht ausgesprochen, noch nicht wirklich gehört, noch nicht fertig ist.
Was immer wieder auftaucht, ist eine Gestalt, die noch nicht geschlossen wurde. Ein unvollendetes Kapitel. Eine Frage, die noch keine Antwort gefunden hat. - Fritz Perls
In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, was Streitmuster in der Paarbeziehung wirklich bedeuten - und wie Sie anfangen können, echte Veränderung zu erleben.
Der wiederkehrende Streit ist kein Zeichen des Scheiterns
Fritz Perls, Begründer der Gestalttherapie, beobachtete in seiner therapeutischen Arbeit, dass Menschen immer wieder dieselben Träume haben - besonders Alpträume. Was auf den ersten Blick wie ein schlechtes Zeichen wirkt, deutete er als das Gegenteil: als Zeichen, dass die Seele lebendig ist und an etwas festhält, das noch nicht abgeschlossen ist.
Genauso ist es mit dem wiederkehrenden Streit in einer Paarbeziehung. Er ist kein Beweis dafür, dass die Beziehung gescheitert ist. Er ist ein Zeichen, dass etwas zwischen Ihnen noch Aufmerksamkeit braucht. Dass eine Frage noch offen ist. Dass ein Bedürfnis noch nicht wirklich angekommen ist.
Ein Paar, das wir begleitet haben - nennen wir sie Sabine und Markus - stritt sich seit Jahren über "Nähe und Distanz". Er wollte mehr Rückzug, sie mehr Verbindung. Immer wieder das gleiche Muster. Bis wir gemeinsam herausarbeiten konnten: Es ging gar nicht um Zeit oder Raum. Es ging um ein tiefes Bedürfnis nach Sicherheit - auf beiden Seiten, in unterschiedlicher Sprache.
Was wir wirklich streiten - und was dahinter steckt
Es gibt einen faszinierenden Gedanken, der sich durch die gesamte Arbeit von Fritz Perls zieht: Was wir am anderen stört, gehört oft zu uns selbst. Psychologen nennen das Projektion.
Ein einfaches Beispiel aus der Paarberatung: Eine Frau beklagt sich über ihren Partner: "Er ist so verschlossen. Er lässt mich nicht rein." Im Gespräch zeigt sich: Auch sie hat eine unsichtbare Mauer. Auch sie zieht sich zurück, wenn es eng wird. Was sie beim anderen sieht und beklagt, ist ein Teil von ihr, den sie noch nicht wirklich angeschaut hat.
Das ist keine Schuldzuweisung. Es ist eine Einladung.
Denn wenn ich beginne zu fragen: "Was sage ich über mich selbst, wenn ich das an meinem Partner kritisiere?" - dann öffnet sich ein neuer Raum. Ein Raum, der nicht Vorwurf heißt, sondern Selbstwahrnehmung.
In unserer Arbeit als Paarberaterpaar in Ludwigsburg begleiten wir Paare genau in diesen Momenten: Nicht um zu klären, wer Recht hat. Sondern um zu verstehen, was jeder von beiden in der Beziehung sucht - und was er oder sie vielleicht noch nicht gefunden hat.
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"Du machst mich wütend" - wie Sprache uns klein hält
Eine der kraftvollsten Erkenntnisse aus der Arbeit von Fritz Perls klingt zunächst fast zu einfach - und ist doch tiefgreifend:
Der Unterschied zwischen "Du machst mich wütend" und "Ich werde wütend" klingt klein. Aber er verändert alles.
Wenn wir sagen "du machst mich ...", geben wir die Verantwortung ab. Wir machen uns zur Wirkung. Zur Reaktion. Zum Opfer des anderen. Wenn wir stattdessen sagen "ich werde ..." oder "ich fühle ...", übernehmen wir Verantwortung für das, was in uns vorgeht. Das ist nicht dasselbe wie Schuld. Es ist Handlungsfähigkeit.
Perls nannte das Verantwortung im Sinne von "response-ability" - die Fähigkeit zu antworten. Wirklich lebendig zu reagieren auf das, was ist - statt auf Autopilot zu reagieren.
Ein kleines Experiment für zuhause: Ersetzen Sie in einem Gespräch einmal bewusst "Du machst mich ..." durch "Ich werde ..." oder "Ich fühle ...". Nur diese eine Umformulierung kann die gesamte Gesprächsdynamik verändern.
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Die unsichtbare Wand - wenn Schutz zur Falle wird
Viele Paare, die zu uns kommen, beschreiben ein Gefühl, das sich schwer in Worte fassen lässt: "Wir sind so nah und doch so weit voneinander entfernt." Sie leben unter einem Dach, schlafen im gleichen Bett - und trotzdem kommt etwas nicht wirklich an. Nicht beim anderen. Nicht bei einem selbst.
In seiner therapeutischen Arbeit begleitete Perls eine Frau - nennen wir sie May. Sie hatte eine unsichtbare Wand um sich gebaut. Nicht aus Bosheit, sondern aus Schutz. Als Kind hatte sie gelernt: Wenn ich mich wirklich zeige, werde ich verletzt. Also schütze ich mich.
Aber diese Wand hielt nicht nur die Verletzungen draußen. Sie hielt auch die Verbindung draußen. Die Wärme. Die echte Begegnung.
Im Laufe der Arbeit wurde May eingeladen, die Wand nicht zu bekämpfen, sondern sie zu verstehen. Mit ihr in Dialog zu gehen. Und dabei etwas Überraschendes zu entdecken: Die Wand war ein Teil von ihr. Ein Teil, der für sie da war. Als sie das erkannte, musste sie die Wand nicht mehr hassen - sie konnte sie integrieren.
Das ist ein zentrales Prinzip, das wir auch in unserer Paarberatung einsetzen: Nicht kämpfen. Hinschauen. Verstehen, wozu etwas da ist. Dann erst kann sich etwas wirklich verändern.
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Der tote Punkt - wenn alles erstarrt
Es gibt Paare, die nicht mehr streiten. Die sich kaum noch berühren. Bei denen eine bleierne Stille über allem liegt. Manchmal würden sie sich sogar wünschen, wenigstens wieder streiten zu können - denn das wäre wenigstens lebendig.
Perls beschreibt diese Phase als den Punkt, an dem die Energie sich zusammenzieht, nichts sich bewegt, alles erstarrt. Er nannte sie die Implosionsphase - eine Art inneres Eingefriertsein.
Das klingt beunruhigend. Aber er sah darin keinen Endpunkt, sondern einen Durchgangspunkt. Denn wenn man durch diesen toten Punkt hindurchgelangt - wenn man nicht flieht, nicht ablenkt, sondern bleibt und hinschaut - kommt auf der anderen Seite Lebendigkeit zurück.
Wut, die endlich ihren Platz findet. Traür, die endlich fliessen darf. Freude, die wieder möglich wird. Das sind keine unkontrollierten Ausbüche - das sind Zeichen, dass echtes Leben zurückkehrt.
In der Paarberatung begleiten wir Paare an genau diesen Stellen: durch den toten Punkt hindurch, in Richtung echter Begegnung.
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Wenn einer immer gibt - und der andere immer nimmt
Perls zeigte in seiner Arbeit anhand eines Mannes - nennen wir ihn hier Markus - etwas sehr Berührendes: Markus schrieb wunderschöne Lieder. Aber er konnte sie nicht selbst singen - er brauchte immer jemanden, der sie für ihn sang. Er brauchte immer jemanden, der sich um ihn kümmerte, der ihn lobte, der ihn bestättigte.
Perls kommentierte: Wachsen und Reifen bedeutet, von der Unterstützung durch andere zur Selbstständigkeit zu gelangen. Das Kind braucht Fürsorge von aussen. Der Erwachsene lernt, sich auch selbst zu tragen - und kann dann wirklich frei geben.
In Paarbeziehungen begegnet uns dieses Muster häufig: Einer trägt mehr, einer nimmt mehr. Einer spendet Kraft, einer zieht ab. Das ist selten Absicht - aber es ist erschöpfend und erzeugt auf Daür Bitterkeit.
Die zentrale Frage lautet: Welchen Teil von mir habe ich in mein Gegenüber, in die Beziehung ausgelagert? Was brauche ich, das ich mir selbst (noch) nicht geben kann?
Das sind keine bequemen Fragen. Aber es sind die richtigen - und sie öffnen echte Veränderung.
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Wie wir als Paarberaterpaar in Ludwigsburg arbeiten
Menexia und Thomas Kladoura begleiten Paare in Ludwigsburg in der Paarberatung und Paarmediation. Unser Ansatz basiert auf integrativer Paartherapie nach dem Paarsynthese-Modell von Michael Cöllen.
Wiederkehrende Streitmuster betrachten wir nicht als Fehler, die korrigiert werden müssen. Wir sehen sie als Einladungen. Als Botschaften, die noch auf Gehör warten.
In unserer Arbeit begleiten wir Sie darin:
- Streitmuster zu erkennen und zu verstehen, was wirklich dahinter steckt
- In eine andere Sprache der Verantwortung zu finden - weniger Vorwurf, mehr Eigenwahrnehmung
- Unsichtbare Schutzwände zu entdecken und schrittweise zu öffnen
- Den toten Punkt gemeinsam zu durchqueren - mit professioneller Begleitung
- Neue Wege der Verbindung zu finden, die zu Ihnen und Ihrer Beziehung passen
Wir nehmen uns Zeit für Sie. Ein erstes Gespräch ist unverbindlich und vertraulich.
Menexia & Thomas Kladoura
Rosenstrasse 5b, 71640 Ludwigsburg
Telefon: 07141 / 2797605
5 Impulse für den Alltag - wenn Sie das Muster durchbrechen wollen
- Nennen Sie das Muster. Sagen Sie in einem ruhigen Moment: "Mir fällt auf, dass wir immer wieder an den gleichen Punkt kommen. Magst du das mit mir gemeinsam anschaün?" Das allein verändert die Dynamik - denn Sie treten aus dem Muster heraus und machen es zum Gesprächsthema.
- Wechseln Sie die Sprache. Ersetzen Sie "Du machst mich ..." durch "Ich werde ..." oder "Ich fühle ...". Kein Angriff. Nur ehrliche, eigene Wahrnehmung - die ankommt, statt abzuprallen.
- Fragen Sie sich: Was sagt meine Kritik über mich? Was Sie am Partner stört, zeigt oft etwas, das auch in Ihnen lebt - ungehört oder unbeachtet. Nicht als Schuld. Als Einladung zur Selbstentdeckung.
- Halten Sie den Moment aus. Wenn alles erstarrt und nichts sich bewegt - bleiben Sie einen Moment länger. Nicht um zu lösen. Nur um da zu sein. Das allein kann etwas auftauen, das sich lange nicht bewegt hat.
- Holen Sie sich Unterstützung. Manche Muster sind zu tief, um sie allein zu entwirren. Das ist kein Zeichen von Schwäche - es ist das Klügste, was Sie für Ihre Beziehung tun können.
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Bereit für ein erstes Gespräch?
Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedererkannt haben - in einem Muster, einer Erschöpfung oder dem Wunsch nach echter Verbindung - laden wir Sie herzlich ein. Ein erstes Gespräch ist unverbindlich. Wir hören zu.
Über die Autoren
Menexia und Thomas Kladoura sind ausgebildete Paarberatende und Paarmediatoren in Ludwigsburg. Unter dem Dach von Paarbeziehung im Fokus begleiten sie Paare in Krisen, Übergangsphasen und bei dem Wunsch, ihre Beziehung neu zu gestalten. Ihr Ansatz basiert auf integrativer Paartherapie nach dem Paarsynthese-Modell von Michael Cöllen, das wiederum u.a. aus der Gestalttherapie hervorgegangen ist.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine professionelle Paarberatung oder Psychotherapie.
Mehr erfahren auf www.paarbeziehung-im-fokus.de
Herzliche Grüße aus Ludwigsburg von
Thomas und Menexia Kladoura






