
Was die Bindungsforschung über Empathie in der Partnerschaft verrät
Du hast es bestimmt schon erlebt: Du erzählst deinem Partner oder deiner Partnerin etwas, das dich beschäftigt – und die Antwort, die zurückkommt, fühlt sich an, als hätte er oder sie etwas ganz anderes gehört. Nicht aus bösem Willen. Sondern weil etwas auf dem Weg verloren geht.
Eine aktuelle wissenschaftliche Übersichtsarbeit gibt jetzt eine erstaunlich klare Erklärung dafür – und sie bestätigt etwas, das wir in unserer Paarberatung in Ludwigsburg täglich erleben: Wie gut wir unseren Partner verstehen, hängt eng damit zusammen, wie gut wir uns selbst verstehen.
Die Studie: Was Bindung mit Gefühlswahrnehmung zu tun hat
Ein Forschungsteam um Anna Buchheim (Universität Innsbruck) hat 38 Studien mit fast 2.800 Menschen ausgewertet. Die Kernfrage: Wie hängen frühe Bindungserfahrungen damit zusammen, wie Erwachsene Gefühle wahrnehmen – die eigenen und die ihres Gegenübers?
Das Ergebnis: Menschen mit sicheren Bindungserfahrungen können ihre eigenen Gefühle besser spüren, einordnen und verstehen. Und genau diese Fähigkeit – sich selbst zu verstehen – ist die Voraussetzung dafür, auch andere wirklich zu verstehen. Menschen mit unsicheren oder unverarbeiteten Bindungserfahrungen tun sich dagegen schwerer damit, eigene Emotionen zu erkennen, geraten schneller in emotionale Überflutung oder emotionale Taubheit – und finden es entsprechend schwerer, beim Partner präsent zu bleiben, ohne sich selbst zu verlieren.
Zwei Seiten derselben Medaille: Impathie und Empathie
Die Forschung unterscheidet zwei eng verwandte Fähigkeiten:
Empathie – sich in die Gefühle des Partners hineinversetzen können.
Impathie – die eigenen Gefühle wahrnehmen, verstehen und annehmen können.
Was viele überrascht: Impathie kommt vor Empathie. Wer mit den eigenen Gefühlen nicht gut in Kontakt ist, kann auch beim Partner nicht wirklich ankommen – selbst wenn der Wille zur Nähe groß ist.
Das erklärt ein Muster, das wir in der Paarberatung sehr häufig sehen: Ein Partner möchte unbedingt verständnisvoll sein, spürt aber selbst gar nicht genau, was gerade in ihm vorgeht. Die Folge: Gespräche, die gut gemeint sind und trotzdem aneinander vorbeilaufen.
Was das für eure Beziehung bedeutet
Wenn ihr euch in Konflikten nicht erreicht
Konflikte eskalieren selten, weil ein Paar inhaltlich uneinig ist. Sie eskalieren, weil mindestens einer von beiden in einem alten Schutzmuster steckt – einer Reaktion, die einmal Sinn ergeben hat, aber im Hier und Jetzt nicht mehr passt. Genau hier setzt unser Artikel zur Selbstregulation in Beziehungen an: Bevor zwei Menschen einander wieder verstehen können, muss jeder Einzelne erst wieder bei sich selbst ankommen.
Wenn Nähe schwerfällt
Manche Paare erleben das Gegenteil von Distanz: zu viel Verschmelzung, zu wenig eigene Mitte. Auch das hat mit der Fähigkeit zu tun, die eigenen Gefühle von denen des Partners zu unterscheiden. Mehr dazu in unserem Artikel über symbiotische Paarbeziehungen.
Wenn alte Muster die Beziehung bestimmen
Die Studie zeigt deutlich: Bindungsmuster aus der Kindheit wirken bis weit ins Erwachsenenleben hinein – meist unbewusst. Wer als Kind gelernt hat, Nähe vorsichtig oder gar nicht zuzulassen, trägt dieses Muster oft unbemerkt in die Partnerschaft. Wir haben das ausführlich beschrieben in unserem Artikel zu Bindungsmustern und Abwehr in Beziehungen.
Mentalisieren: Die Fähigkeit, die Paare verbindet
Ein zentraler Begriff der Studie ist Mentalisieren – die Fähigkeit, sich selbst und den anderen als Menschen mit einer eigenen Innenwelt zu begreifen. Mit Gefühlen, Absichten, einer eigenen Geschichte. Die Studie zeigt: Diese Fähigkeit ist der stärkste Faktor, der mit sicherer Bindung zusammenhängt.
In der Paarberatung erleben wir, wie kraftvoll es ist, wenn ein Paar wieder lernt zu fragen: Was bewegt mich gerade wirklich – und was könnte in dir vorgehen? Das ist nicht nur Kommunikationstechnik. Es ist eine innere Haltung, die geübt werden kann.
Was wir aus dieser Forschung für unsere Arbeit mitnehmen
Diese Studie bestätigt etwas, das unsere Arbeit als Paarberatung und Paarmediation in Ludwigsburg seit Jahren trägt: Eine Beziehung verändert sich nicht in erster Linie durch bessere Kommunikationsregeln. Sie verändert sich, wenn beide Partner wieder Zugang zu ihrer eigenen inneren Erfahrung finden – und von dort aus aufeinander zugehen können.
Das ist auch der Grund, warum wir in unserer Begleitung – ob in der Paarberatung oder in akuten Konflikten in der Paarmediation – nicht nur auf das schauen, was gesagt wird, sondern auch auf das, was im Körper, in den Emotionen und zwischen euch geschieht.
Manchmal genügt es, wenn einer von euch beginnt, sich selbst besser zu verstehen. Denn Selbstregulation wirkt ansteckend: Wenn du ruhiger und präsenter wirst, verändert sich das ganze Beziehungsfeld.
Unser Angebot für euch
Wenn ihr spürt, dass ihr in Gesprächen oft aneinander vorbeiredet, dass Verständnis sich anstrengend statt selbstverständlich anfühlt, oder dass alte Muster eure Nähe blockieren – dann begleiten wir euch gerne dabei, wieder in echten Kontakt zu kommen. Mit euch selbst, und miteinander.
Mehr über unseren Ansatz mit Paarsynthese, NARM und gestalttherapeutischen Elementen erfahrt ihr auf www.paarbeziehung-im-fokus.de oder direkt im Ablauf unserer Paarberatung.
Erstgespräch vereinbaren: calendly.com/menexiakladoura/erstgesprach | mail@paarbeziehung-im-fokus.de
Wir – Menexia und Thomas Kladoura – begleiten Paare in Ludwigsburg und im Raum Stuttgart mit über 30 Jahren eigener Beziehungserfahrung und fundierten Ausbildungen in Paarsynthese, NARM, Gestalttherapie und Mediation.
Quellhinweis: Dieser Artikel basiert auf: Eilert, D. W., Mensah, P. & Buchheim, A. (2026). The Dual Facets of Emotion Perception in Adult Attachment Representations: A Systematic Review on Impathy and Empathy. Brain Sciences, 16(6), 651. https://doi.org/10.3390/brainsci16060651
Erstgespräch vereinbaren: calendly.com/menexiakladoura/erstgesprach | mail@paarbeziehung-im-fokus.de
Herzliche Grüße aus Ludwigsburg von
Thomas und Menexia Kladoura







